Historisches über den Pflanzenbestand auf der Nürnberger Burg

In der Geschichte der Kaiserburg sind zahlreiche Gartenanlagen bekannt geworden. Bereits die älteste Darstellung der Kaiserburg von 1425 zeigt einen Baumgarten mit einem geflochtenen Zaun.

Kaiser Friedrich III. (1440-1493) ließ auf der Südseite des Palas in Anlehnung an die Gärten der morgenländischen Königin Semiramis „Hängende Gärten“ anlegen, die von steinernen Pfeilern gestützt wurden. In ihnen gediehen Blumen, kleine Obstbäume und Wein.

Johann Georg Volckamer liefert mit seiner im Jahr 1700 erschienenen „Flora Nürnbergs“ eine der ersten Gebietsfloren Frankens mit genaueren Standortangaben. Der studierte Mediziner wurde 1685 Mitglied des „Collegium medicum“ sowie der „Kaiserlichen Academie der Naturforscher“. In diesem „Collegium medicum“ waren botanische Exkursionen in die Gegend um Nürnberg, sogenannte Herbationes, eingeführt worden, an denen sich sowohl Ärzte wie auch Apotheker, einzelne Ratsmitglieder und Studenten beteiligten. Die Ergebnisse dieser „Herbationes“ wurden zusammen mit einer Bestandsaufnahme der fremdländischen Gartengewächse in einem Buch veröffentlicht.

Weitere namhafte regionale Botaniker, die die Flora Nürnbergs und Umgebung erforschten, wurden schon früh auf diesen „Hotspot“ der biologischen Vielfalt aufmerksam. Auch in den Aufzeichnungen von Sturm und Schnitzlein (1847), August Friedrich Schwarz (1881) u.a. ist das Gebiet der Nürnberger Burg mit überraschend vielen Fundpunkten vertreten. Konrad Gauckler, Professor für Botanik an der Universität Erlangen, stellte 1980 erstmal das Vorkommen der seltenen Efeu-Sommerwurz im Umfeld der Nürnberger Burg fest.


Titelseite der Flora Volckamers (1700):

 

 

Besondere Arten

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Die Echte Artischocke wurde nach Angaben von Schwarz ehemals auch im Gemüseanbaugebiet des Nürnberger Nordens kultiviert und der essbare Blütenboden als „Schocken“ auf dem Markt verkauft. Um 1900 verzeichnet Schwarz allerdings nur noch eine Gartenkultur dieser wärmebedürftigen Art. Dabei nennt er auch einen Garten im Burgzwinger.


Das aus Südosteuropa stammende Kornblumen-Veilchen ist mit dem wohlriechenden Veilchen nah verwandt, es blüht etwas früher als dieses. Die blaue Blüte hat eine weiße Mitte. Das Kornblumen-Veilchen wird als Zierpflanze verwendet. Es besiedelt nach Angaben von Schwarz "Grasplätze in Parkanlagen u. Gärten". Ein Vorkommen befand sich „hinter der Burg“.

Die Veilchenart ist insofern eine Besonderheit, als sie nach Angaben der Flora des Regnitzgebietes heute ihren Verbreitungsschwerpunkt innerhalb Deutschlands neben dem Großraum Stuttgart im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen hat.


Die Weiße Zaunrübe ist nach den Angaben der Schwarz-Gaukler-Karte im Gebiet nördlich der Altstadt flächig verbreitet, auch der Burgbereich ist markiert. In der Flora von Schwarz heißt es allgemein: „nördlich um Nürnberg herum bis Schoppershof“. Die Art hat inzwischen einen deutlichen Rückgang erfahren.