Der Brutplatz unserer Wanderfalken befindet sich bereits seit 2013 im Sinwellturm der Nürnberger Kaiserburg. Damit Sie das Verhalten der Wanderfalken und deren Brut ganz aus der Nähe und rund um die Uhr beobachten können, ohne die Tiere zu stören, haben wir zwei Webcams installiert. Eine Webcam zeigt den Innenraum des Nistkastens, die andere das an den Nistkasten anschließende Abfluggitter mit Blick über die Stadt Nürnberg.
Melden Sie uns Ihre Beobachtungen direkt unter Sichtungen, gerne mit Screenshot oder Foto. Dort finden Sie auch die aktuellen Meldungen anderer Wanderfalkenfa
ns.
Wir wünschen viel Freude beim Beobachten der Wanderfalken und freuen uns auf Ihre Sichtungsmeldungen!
Heute war es soweit: der erste Jungvogel hat den Horst verlassen. Was vielleicht wie ein Absturz aussah, ist nicht weiter gefährlich. Mit ihrem Jugendkleid können die Jungvögel schon problemlos Gleitflüge machen. Nur die Flugmuskulatur ist noch nicht ausreichend ausgebildet, um direkt wieder zum Horst hochzufliegen. Laufen klappt ja schließlich auch nicht gleich auf den ersten Versuch. In den nächsten Tagen werden sich die juvenilen Wanderfalken in der Nähe des Sinwellturms unterhalb des aufhalten. Je stärker sie sind, desto häufiger fliegen sie auch zu den umliegenden Dächern, bis sie es schließlich auch wieder in den Horst schaffen. Sollten Sie ein Jungtier irgendwo sitzen sehen, lassen Sie es am besten einfach sitzen und halten Sie genügend Abstand, um das Tier nicht unnötig unter Stress zu setzen. Denn auch nach dem Verlassen des Horstes stehen die jungen Wanderfalken in Kontakt zu den Altvögeln und werden weiterhin mit Nahrung versorgt. Wann wohl der zweite Jungvogel den Horst verlässt?
- update 16 Uhr - Der heute ausgeflogene Jungvogel hat es wieder zurück zum Sinwellturm geschafft und sitzt unterhalb des Abfluggitters. Ein Altvogel sitzt in Sichtweite, sodass wir davon ausgehen, dass der Jungvogel wie in den letzten Jahren auch außerhalb des Brutplatzes versorgt wird.
Inzwischen sind die Jungvögel immer häufiger auf dem Abfluggitter und beobachten die Umgebung. Haben sie etwas fokussiert, bewegen sie ihren Kopf zwischenzeitlich immer wieder in kleinen Bewegungen von Seite zu Seite, ohne den Blick von ihrem Ziel abzuwenden. Durch diese, einer Tanzbewegung ähnlichen Geste, üben die jungen Wanderfalken die Entfernung besser und letztendlich richtig einzuschätzen. Vielleicht können Sie dieses Verhalten demnächst auch einmal beobachten.
Während die jungen Wanderfalken immer größer werden und sich inzwischen auch schon fast auf das Anfluggitter trauen, gibt es derzeit auch einige Arten, die es mit dem Wachsen nicht so leicht haben. Viele Grünflächen und Gärten werden oder wurden die Tage zum ersten Mal gemäht, damit sie wieder 'ordentlich' aussehen. Dadurch fehlt es den zu dieser Zeit schlüpfenden Insekten, wie Wildbienen, Schmetterlingen und co. an Nahrung und auch die höheren Pflanzen kommen nicht zur Samenreife und können sich demensprechend nicht vermehren. Die in England initiierte Aktion 'NoMowMay', die inzwischen auch in einigen anderen europäischen Ländern Einzug gehalten hat, macht auf diese Thematik aufmerksam und regt dazu an, frühestens im Juni das erste Mal zu mähen. Falls Sie einen Garten haben, sparen Sie sich zumindest in einem Teilbereich mal das Mähen und schauen Sie was passiert. Sie werden überascht sein, was in Ihrem Rasen schon alles blühen kann und wer diese Blüten besucht.
Heute morgen wurden die drei Jungvögel beringt. Bei der diesjährigen Brut handelt es sich um zwei Weibchen (T-YR 746 g, T-YS 738 g) und ein Männchen (T-YT 530 g). Der Gewichtsunterschied kommt daher, dass bei Wanderfalken die Männchen in allen Lebensphasen etwa um ein Drittel leichter sind als die Weibchen. Daher auch die Bezeichnung Terzel für männliche Wanderfalken. Durch die Beringung können die Jungvögel nun auch in späteren Jahren der Burg zugeordnet werden, wie z.B. das heuer am Flughafen brütende Weibchen, das aus dem Gelege von 2020 stammt. Vielen Dank an die Beringer für ihre ehrenamtliche Arbeit und die Burgverwaltung für den reibungslosen Ablauf.
Neben der Beringung wurde bei dieser Gelegenheit auch das Spinnennetz vor der Kamera entfernt. Damit ist jetzt wieder freie Sicht, wobei es durchaus sein kann, dass demnächst wieder ein Netz vor der Kamera entsteht. Eine Reinigung ist dann nicht mehr möglich, da die Jungvögel sonst möglicherweise aus dem Horst springen. Neben der Reinigung der Kamera wurde auch das Ei entnommen, aus dem kein Küken geschlüpft ist, da es platzen könnte. Neben dem unangenehmen Geruch, können so auch mögliche Krankheitserreger vermieden werden.
So wie bereits in den letzten Jahren, werden die Jungvögel auch heuer im Lauf der Woche beringt. Mit Hilfe der Ringe können die Vögel bei erneuter Sichtung eindeutig dem Horst am Sinwellturm zugeordnet werden. So lassen sich beispielsweise Zugrouten, Überwinterungsgebiete und Bestandsentwicklungen feststellen. Manche der mittelfränkischen Wanderfalken wurden so schon in Prag und südwestlich von Warschau und teilweise auch wieder in Mittelfranken gesichtet. Beringen darf aber nicht jede und jeder, sondern es bedarf einer speziellen Ausbildung, bei der der richtige Umgang mit den Vögeln gelehrt und gelernt wird, sowie einer Genehmigung durch die für den jeweiligen Bereich zuständigen Naturschutzbehörde. Neben der Beringung der Jungvögel, werden auch die Kameras gereinigt, sodass die Livestreams in den nächsten Tagen kurzzeitung nicht zur Verfügung stehen werden. Nach der erfolgreichen Beringung, werden an dieser Stelle Gewicht und Geschlecht der Jungvögel sowie deren Ringnummern veröffentlicht.