Das Projekt "Lebensraum Burg"

Was macht die Nürnberger Kaiserburg als Lebensraum für Tiere und Pflanzen interessant? Das Bauwerk liegt schließlich mitten in der Altstadt und wird tagtäglich von tausenden Touristen besichtigt.

Nicht gerade die ideale Voraussetzung für einen Lebensraum, und doch bietet die Burg genau das: Mit ihren Kellern, Mauern und Türmen stellt sie Nischen für Tiere und Pflanzen zur Verfügung.

Und zahlreiche Arten nutzen diese speziellen Lebensräume, leben mit und unter uns – oft inkognito.

 

Das Projekt "Lebensraum Burg" wurde 2010 von der Abteilung Umweltplanung des städtischen Umweltamtes (bis 2012 Projektträger) und der Regierung von Mittelfranken konzipiert. Es wird seitdem gemeinsam mit weiteren Partnern umgesetzt.

Die Förderung des Projektes zur Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie erfolgt durch die Regierung von Mittelfranken aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit. Konzeption, Projektmanagement und Koordination der Maßnahmen erfolgen ebenfalls durch die Regierung von Mittelfranken im Rahmen des Biodiversitätsprogramms Bayern 2030.

Das Projekt Lebensraum Burg

Bayerische Biodiversitätsstrategie

Das Projekt "Lebensraum Burg" als Maßnahme der Biodiversitätsstrategie

Was ist Biodiversität?

Biodiversität bedeutet "Biologische Vielfalt". Der Begriff steht für die gesamte Vielfalt des Lebens auf unserer Erde: Vielfalt an Landschaften und Lebensräumen, Artenvielfalt und deren genetische Vielfalt, Wechselbeziehungen von Lebensgemeinschaften. Der Erhalt dieser Vielfalt in Bayern steht im Mittelpunkt der Bayerischen Biodiversitätsstrategie.

Warum ist die Artenvielfalt so wichtig für uns?

Bei Störungen in Ökosystemen sorgt Vielfalt für Reaktionsfähigkeit und Stabilität. Mit der Vielfalt von Arten, Lebensräumen, Lebensraumbeziehungen und Genen stellt Biodiversität eine wichtige Ressource dar.

Sie ist Grundlage für die Bereitstellung sogenannter Ökosystemdienstleistungen  (Nahrung, Trinkwasser, Brennstoffe und Arzneimittel, Schutz vor Überschwemmungen und Bodenerosion, Klimaregulation oder CO2-Speicherung) und hat somit auch einen hohen ökonomischen Wert (laut TEEB-Studie 4,4 bis 5,2 Milliarden US-Dollar/Jahr).

 

Was können wir tun?

Im Anschluss an den ersten Weltumweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 wurde das „Übereinkommen zum Schutz der Biodiversität“ beschlossen. Demnach ist Biodiversität grundlegend für das Wohlergehen und die Lebensqualität von Menschen.
Der Erhalt der Biodiversität, die nachhaltige Nutzung und die gerechte Teilung der Vorteile aus ihrer Nutzung sollen als Ziele verfolgt werden.

 

Bayern und die Biodiversität

Am 1. April 2008 beschloss der Bayerische Ministerrat eine Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern. Die Bayerische Biodiversitätsstrategie trägt das Motto „Natur.Vielfalt.Bayern.“ Der Beschluss erfolgte in enger Zusammenarbeit mit betroffenen Verbänden und Institutionen, Landnutzern und Grundeigentümern.

Zum Konzept dieser Bayerischen Biodiversitätsstrategie gehören konkrete Zielvorgaben für sämtliche Bereiche des Naturschutzes in Bayern. Sie werden von allen Ressorts der bayerischen Verwaltung mitgetragen.

 

Ziele

Im Kern beinhaltet die Bayerische Biodiversitätsstrategie vier Ziele:

1. Sicherung der Arten- und Sortenvielfalt
Der Rückgang der heute noch vorhandenen Vielfalt wildlebender Arten soll bis 2020 in Bayern gestoppt und der Anteil der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten deutlich verringert werden

2. Erhaltung der Vielfalt der Lebensräume
Bis 2015 soll u.a. ein gut funktionierendes Managementsystem für alle Natura 2000-Schutzgebiete etabliert werden

3. Verbesserung der ökologischen Durchlässigkeit von Wanderbarrieren wie Straßen, Schienen und Wehre

4. Vermittlung und Vertiefung von Umweltwissen durch zahlreiche Umweltbildungseinrichtungen, z.B. die bundesweit erste Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) und "BayernTour Natur", eine bayernweite Gemeinschaftsaktion von Staat und Naturschutzverbänden (über 2.600 Natur-Veranstaltungen pro Jahr).

 

"Lebensraum Burg"

Dieses Projekt möchte den Blick auf Artenvielfalt, Lebensraumvielfalt und die Wechselbeziehungen zwischen beiden lenken. Auf relativ engem Raum präsentiert sich auf dem Nürnberger Burgberg ein kleinteiliges Netz aus offenen und versiegelten Flächen, aus Gärten und Brachen, aus Felsen, Mauern, Nischen und Höhlen.

Mit den vorliegenden umfangreichen Daten wurden klare Aussagen zum Vorkommen und der Häufigkeit von Pflanzen und Tieren gemacht. Dazu gehören auch konkrete Vorschläge, wie diese ganz unterschiedlichen Lebensräume erhalten oder optimiert werden können. Eine wichtige Aufgabe ist nun, die Vorschläge umzusetzen.

Hierfür genügen oft schon geringfügige Veränderungen oder aber auch das Belassen von z.B. Höhlen, Ritzen und Nischen im Mauerwerk. Auch die unterschiedlichen Nutzungen spielen eine wichtige Rolle für den Erhalt der Lebensräume.

 

Umweltreferent Dr. Pluschke nimmt den bayerischen Biodiversitätspreis 2012 entgegen.

Neuigkeiten

Seit kurzem sind die Wanderfalken wieder häufiger an ihrem Brutplatz und im Brutrevier in der Umgebung der Nürnberger Kaiserburg zu sehen. Mit etwas Glück können Sie bereits Balzfüge sowie das Anfliegen auf den Brutplatz am Sinwellturm beobachten.

Der Kreis Nürnberger Entomologen e.V. hat sich bereit erklärt, die Erfassung der Insekten im Bereich der Nürnberger Kaiserburg auch im Jahr 2014 ehrenamtlich durchzuführen. Vielen Dank dafür!

Kartierungen

Planungsbüro StadtLand
Dipl.-Biol. Herbert Targan
Heimstättenstraße 46
90411 Nürnberg
www.stadtland.de


IVL
Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie
Dipl. Biol. Wolfgang von Brackel
Georg-Eger-Straße 1b
91334 Hemhofen-Zeckern
wolfgang.von.brackel@ivl-web.de


Fledermaus-Beauftragte
Bettina Cordes
Berliner Platz 22
90482 Nürnberg

Kreis Nürnberger Entomologen e.V.
Dr. Klaus von der Dunk
Ringstraße 62
91334 Hemhofen

Büro für Faunistik, Naturschutz und Biostatistik
Dipl.-Biologe Burkard Pfeiffer
Brucker Weg 6
91054 Buckenhof

Silvaea biome institut
Dipl. Geoökol Ralf Bolz
Buchstr. 15    
91484 Ullstadt

Lehrerfortbildungen und Führungen

Im Rahmen des Projektes wurden seit 2010 mehrere Lehrerfortbildungen durchgeführt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projektes ist es, die Arten- und Lebensraumvielfalt im Bereich der Nürnberger Kaiserburg interessierten Besuchern zugänglich zu machen. Hierzu wurden zahlreiche Führungen für Kinder und Erwachsene sowie für Schulklassen angeboten.

Durchführende Personen:

Carmen Günnewig
Cordula Jeschor
Dr. Stefan Böger
Bettina Cordes
Dr. Dietmar Pilotek
Herbert Targan

 

Lehrerfortbildungen an der Kaiserburg.

Eine Führung zum Thema Fledermäuse.